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Geht die Stadt vor die Hunde?

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Die Null steht: Breckerfelder feiern ihre Schuldenfreiheit

Bürger und Lokalprominenz folgten der Einladung des Bürgermeisters

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Die Null steht: Mit Bürgermeister Klaus Baumann (rechts) freuten sich unter anderem auch Regierungspräsident Helmut Diegel und Staatssekretär Manfred Palmen.

 

BRECKERFELD • Eine Null ist selten erwünscht, zumeist ein Zeichen von Stillstand, gerne auch ein Schimpfwort: „Du Null.“ Doch nicht so in Breckerfeld. Hier ist die Null positiv, ja, mehr als das, sie ist ein Grund zum Feiern. Denn sie bedeutet: „Wir sind schuldenfrei!“

Die Stadt darf Party machen und folgt ihrem Bürgermeister, der ins Atrium des Schulzentrums gebeten hatte. Es war voll wie selten.

 

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Nun ist die Bürgerstiftung offiziell anerkannt: Staatssekretär Manfred Palmen überreichte die Urkunde an Hannelore Reibert und Klaus Baumann.

Klaus Baumann freute sich, das war ihm anzusehen. Als Gastgeber war er in seinem Element zwischen den Bürgern seiner Stadt und den Ehrengästen, die dem seltenen Anlass entsprechend gern erschienen waren, darunter Regierungspräsident Helmut Diegel wie auch der Parlamentarische Staatssekretär Manfred Palmen und Eberhard Kanski vom Bund der Steuerzahler NRW. Natürlich waren auch heimische Größen vor Ort, Vertreter von Vereinen wie die amtierende Stadtschützenkönigin Inge Weißflog, Mitglieder der politischen Fraktionen, von Banken, Energieversorgern und weitere mehr.

Doch eines gab es noch zu tun, bevor die Null auf der Schuldenuhr tatsächlich auch wirksam werden konnte: Ein letzter Scheck musste an die Sparkasse überreicht werden. Allerdings las sich die Summe von 323.814,87 Euro wie ein unerheblicher Bruchteil – ein deutschlandweit bekannter Banker würde den Begriff „Peanuts“ genutzt haben – im Vergleich zu der Zahl, die noch vor rund elf Jahren den Zahlungsrückstand markierte. Damals stand ein Minus von gut 12 Millionen Euro zu Buche, knapp 1.400 Euro pro Einwohnerkopf der Stadt.

 

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Luftballons und buntes Licht: Das Schulzentrum war für die fröhliche Party perfekt vorbereitet. Die Bürgerinnen und Bürger wussten das zu würdigen und stießen auf die schwarze Null an.

Doch das ist Vergangenheit, lange her, nun durfte gefeiert werden, Anstoßen war angesagt und das wurde an diesem Abend nicht nur einmal getan. Unterstützend war hier sicher auch die Tatsache, dass jeder Besucher am Eingang zwei Freitickets bekam, um nicht Durst leiden oder sofort wieder zum Portmonee greifen zu müssen. Beides hätte bei einer Veranstaltung, die Schuldenfreiheitsparty heißt, sicher nicht gut ausgesehen.

Und wie es sich für eine solche Feier gehört, gab es auch einen offiziellen Teil, in dem der Bürgermeister den „ganz besonderen Tag“ beschwor, an dem „unsere Stadt in einen erlauchten Kreis der Kommunen in Nordrhein-Westfalen und in der gesamten Bundesrepublik“ aufsteige, die schuldenfrei sind. Mit stolz könnten die Mitbürger nun sagen: „Ich bin ein schuldenfreier Bürger.“ Staatssekretär Palmen ergänzte, dass das bislang nur neun Städte im gesamten Land geschafft hätten, Breckerfeld sei damit einzigartig im RVR.

Klaus Baumann nutzte einmal mehr an diesem Abend die Gelegenheit, das Ehrenamt in den Vordergrund zu rücken und denen zu danken, die sich durch ihren Einsatz ums Gesamtwohl verdient machten und so dabei helfen würden, Geld zu sparen: Feuerwehr, Gemeinden, Vereine. Damit die Stadt nun auf Dauer schuldenfrei bleiben könne, müsse man aber auch manchen Einschnitt hinnehmen, mahnte der erste Bürger im Anschluss. Schwierige Jahre, durch die Wirtschaftskrise hervorgerufen, zwängen die Stadt, „wünschenswerte Maßnahmen zurückzustellen.“ Auch hier kam ihm Manfred Palmen zu Hilfe, der betonte: „Sie gehören zur Elite der schuldenfreien Städte. Gehen sie diesen Weg konsequent weiter.“

Als äußeres Zeichen überreichte Eberhard Kanski vom Bund der Steuerzahler ein Ortsschild mit der Aufschrift „Schuldenfreie Stadt Breckerfeld“. Er lobte: „Sie haben geschafft, was vom Privatfernsehen beschworen wird: Raus aus den Schulden.“ Für diese Leistung sprach Regierungspräsident Helmut Diegel sogar von einer „Mustergemeinde“. Die Bürger – und mehr noch deren Kinder - könnten stolz sein.

 

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Voll war‘s im Atrium des Schulzentrums, als Bürgermeister Klaus Baumann die Schuldenfreiheitsparty offiziell eröffnete.

Dann konnte „endlich“ die richtige Party starten, musikalisch unter anderem umrahmt von dem Grundschulchor Ostringspatzen und dem Gospel Train, später gab’s noch mitreißende Duo-Livemusik. Getränke, zumal teils frei – ging in zum Anlass passenden Mengen über den Tresen und auch die leckeren Würstchen fanden reißenden Absatz. Solch eine Feier wünscht man sich öfter in der Hansestadt.

 

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Der Grundschulchor „Ostringspatzen“ läutete die Feier musikalisch ein. Der Applaus der Gäste war ihnen gewiss, nicht nur des Niedlichkeitsbonus‘ wegen, sondern auch ob der Qualität ihrer Lieder

Dass es dabei auch kritische Stimmen gab, konnte und wollte nicht verschwiegen werden. Kanalkosten wie Abwassergebühren waren in manchem Gespräch Themen, dazu habe es an vielen Stellen kostenfreie Problemlösungen gegeben, die sicher nicht immer das Optimum des Möglichen getroffen hätten. Doch wer wollte an einem solchen Abend wirklich meckern. Unterm Strich zählt das Ergebnis – und ein strahlender Bürgermeister.

 

 

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