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Epscheider Eigenleben

Nachbarschaft ist im Dorf auch heute noch von großer Bedeutung

 

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Blitz und Donnerwetter kommen in Epscheid nur von oben. Die Dorfgemeinschaft ist absolut intakt.

BRECKERFELD • Die Epscheider sind ein Volk für sich. Sagen weniger die Epscheider selbst als vielmehr die Breckerfelder. Die innerhalb der Stadtmauer und die ein bisschen davor. Die Epscheider, ja, sie sind schon ein bisschen anders. Verwandter. Verbundener. Halt nachbarschaftlicher. Da kommen wir der Ursache für das Anderssein der Epscheider bereits ein gewaltiges Stück näher. Fragt man ein paar Epscheider, was gut ist an ihrem Stadtteil, an ihrem Dorf, fällt unweigerlich spätestens im dritten Satz das Wort Nachbarschaft.

 

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Armin Kattelmann

„Bei einem Dorf dieser Größe kennt halt jeder jeden“, sagt Armin Kattelmann. Kattelmann ist nicht irgendein Epscheider, Kattelmann ist „Obernachbar“. Nachbarschaften haben Geschichte in Breckerfeld und Umgebung, aber kaum anderswo wird diese Verbindung so intensiv ausgelebt wie in Epscheid.

Epscheid. Knapp 120 Häuser und jede Menge bewahrter Identität und Eigenleben. Ein Eigenleben, das in erster Linie durch die bereits 1778 gegründete Nachbarschaft gelebt und vorangetrieben wird. Seinerzeit ging es darum, dass sich die Bauern untereinander helfen. Eigenleben bedeutet eben auch Eigenhilfe. Längst ist Epscheid nicht mehr durch die Landwirtschaft geprägt und auch der Obernachbar muss kein Bauer mehr sein. Aber die Nachbarschaft hat dies alles schadlos überstanden.

 

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Armin Falkenroth

 

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Henry Schmidt

 

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Edgar Dörnen

Heute leiten Obernachbar Armin Kattelmann, sein Stellvertreter Armin Falkenroth, Kassierer Henry Schmidt, Schriftführer Thorsten Sonneborn und Chef-Organisator Edgar Dörnen die Geschicke der Epscheider Nachbarschaft. Helfend und immer mit einer pfiffigen Idee ausgestattet steht dem Quintett Siegfried Morhenne zur Seite. Morhenne war es auch, der zusammen mit Kattelmann und Falkenroth beim Nachbarschaftstreffen die Idee für eine digitalisierte Foto- und Dokumentesammlung entwickelte. Dass daraus einmal großes Epscheider Bauernkino werden würde, ahnten die drei damals nicht einmal im Ansatz. Die Idee war, in der Nachbarschaft alte Bilder und Dokumente zu sammeln. Morhenne bot an, diese dann einzuscannen und sie allen Epscheidern entweder in digitalisierter Form oder als Fotobuch zur Verfügung zu stellen.

 

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Viereinhalb Stunden unterhielt Siegfried Morhenne beim Epscheider Bauernkino in Schneppers Scheune mit Bildern und Dokumenten aus 200 Jahren Epscheider Dorfgeschichte.

 

Epscheid wäre nicht Epscheid, wenn die Idee nicht auf eine riesengroße Resonanz gestoßen wäre. Nicht weniger als 38 Familien beteiligten sich an der Aktion. Für Morhenne wurde es zu einer Jahrhundertaufgabe, denn sage und schreibe 1795 Bilder wurden bei ihm abgegeben. Da darunter natürliche einige doppelt waren, reduzierte sich die Zahl auf „lediglich“ 1500.

 

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Nicht ohne Stolz präsentierten sich diese Epscheider Herren mit dem Motorfahrzeug. Die Technik lief auch an dem Dorf nicht vorbei.

Nachbar Udo Böcker war es vergönnt, das älteste Dokument „aufzutreiben“ – wobei es sich um eine Ablichtung des Nachbarschaftsbuches von 1778 (also vom Gründungsjahr) handelte. Originalbelege datieren zum Teil Mitte des 19. Jahrhunderts. Das älteste Foto zeigt die Waffenschmiede von Willi Kirchhoff und entstand im Jahr 1896.

 

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Das älteste bei der Fotoaktion zur Verfügung gestellte Bild zeigt die Mannschaft von Willi Kirchhoffs Waffenschmiede und stammt aus dem Jahr 1896.

Bis in die 50er Jahre gab es in Epscheid noch viele Bauern. Auch drei Kleineisenschmieden sowie eine Bau- und Möbelschreinerei waren hier ansässig. Die Werkstatt des Schuhmachermeisters Richard Böhle wanderte später ins Heimatmuseum.

Die Epscheider verstehen es auch vortrefflich, Wichtiges und Feierliches miteinander zu verquicken. Wie sonst ist zu begreifen, dass die „offizielle“ jährliche Zusammenkunft der Nachbarn, bei der alles Wichtige besprochen wird und alle relevanten Entscheidungen für das Dorfleben fallen, ausgerechnet an Karnevals-Samstag stattfindet. Dass die Dorfangelegenheiten bei einem Fass „Keut“ besprochen werden, sollte jedoch bei dieser Betrachtung nicht ganz verschwiegen werden.

Die Damen des Dorfes sind bei dieser Veranstaltung nicht eingeladen. Diese haben ihre eigene Feier. Am Rosenmontag. Die Männer helfen selbstverständlich bei der Organisation und sorgen für Speis und Trank. Welche Nachbarn diese Aufgabe übernehmen wird streng geregelt und im Nachbarschaftsbuch niedergeschrieben. Wie alles geregelt und im Nachbarschaftsbuch niedergeschrieben wird. So existiert auch eine Trägerliste, falls ein Epscheider stirbt. Eigenleben total.

Eigenleben heißt aber auch Eigeninitiative. So haben die Epscheider (mit Unterstützung der Stadt Breckerfeld) den Bürgersteig von der Innenstadt in ihren Ort selbst angelegt und wenn Wege oder die Straßenbeleuchtung instand zu setzen sind oder die Straße gesäubert werden muss, wird ebenfalls selbst Hand angelegt.

Einiges war in der Vergangenheit jedoch nicht selbst zu regeln. Gasversorgung und Kanalisation zum Beispiel. Jedoch war ganz Epscheid auf den Beinen, als Mitte Juli 1987 der damalige Obernachbar Gustav Adolf Kötting mit dem Anzünden der Gasflamme (mit Hilfe einer Fackel) das Epscheider Erdgaszeitalter einleutete. Bürgermeister Diethelm Büttner freute sich, dass das Dorf nun endlich mit den Erdgasfeldern Sibiriens verbunden sei.

Liedtext Epscheider Junggesellen

Vie sitt alle Eppscher Jungen

Wä watt well, dä sall es kurmen

Knüppel in dä Hand, Fläsch in dä Täsch

Un wann vie keenen Knüppel hätt, dann haut vie met dä Fläsch

Is dä Fläsch geplatzt, dann sie vie all veratzt

Dann got vie in dä Wertschaft un drinket us en Schnaps

 

Wir sind alle Epscheider Jungen

Wer was will, der soll nur kommen

Knüppel in der Hand, Flasche in der Tasche

Wenn wir keinen Knüppel haben, dann hauen wir mit der Flasche

Wenn die Flasche platzt, sind wir halt verratzt

Dann gehen wir in die Wirtschaft und trinken uns einen Schnaps

 

Wenn es an Silvester darum geht, das neue Jahr zu begrüßen, sind die Junggesellen und die Kinder gefordert. Denn auch in Epscheid wird das neue Jahr mit Gesang begrüßt. Mit dem ersten Glockenschlag des neuen Jahres gehen sie los, schreiben mit Kreide die Jahreszahl auf die Haustüren. Als Lohn und Dank gibt es Wurst und Schnaps. Den Epscheider Junggesellenclub gibt es seit 1849. Die Tradition des Neujahrssingen wird weiterhin gepflegt, auch wenn die Zahl der Junggesellen zurzeit äußerst gering ist. Zu den Aktivitäten der Junggesellen zählen daneben auch das ebenso traditionelle Osterfeuer oder der leckere Spießbraten am 1. Mai.

Liedtexte Epscheider Dorfkinder

Fasteobend es van Obend

klingelt in de Bösse

alle Wiewer hätt en Käl

eck un mine Süster

 

Fastnachstabend ist heute Abend

klingelt in der Büchse

alle Weiber haben einen Kerl

ich und meine Schwester

 

 

für Epscheider Dorfkinder im Alter

zwischen 6 und 14 Jahren

 

Lüttje lüttje Fassenacht

eck heff gehort et hett geschlacht

hett so grote Würst gematt

girt mi eene, girt mi eene

ower nich so nee ganz kleene

lot mi nich te lange stohn

eck mau noch en Hüsken widder gohn

 

Kleine kleine Fastnacht

ich habe gehört, ihr habt geschlachtet

habt so große Würste gemacht

gib mir eine, gib mir eine

nur nicht so eine ganz kleine

lasst mich nicht so lange stehen

ich muss noch ein Häuschen weiter gehen

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Gibt es prominente Epscheider? Naja. So ein bisschen prominent halt. Missionar Gerhard Dahlhaus zum Beispiel, der 1956 feierlich ordiniert und in Richtung Indien-Mission ausgesandt wurde. Oder der Basketballer Arndt Neuhaus, der als Centerspieler des TSV Hagen in der deutschen Juniorennationalmannschaft zum Beispiel im April 1986 bei den Europameisterschafts-Qualifikationsspielen zum Einsatz kam und sich als bester Werfer auszeichnete.

 

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Epscheider Urgestein: Gustav und Emma Baukloh erreichten ein biblisches Alter und feierten Diamantene Hochzeit.

Und was bringt die Zukunft? Die Epscheider werden bleiben, wie sie sind. Das ist sicher. Und wir können noch einiges erwarten. Epscheid wächst.

 

 

Druck aus Lüdenscheid

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