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Soundly Melodies und schicke Zipfel

Berghausen: Beschauliches Dorf in luftiger Höhe – Kreativität wird groß geschrieben

 

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Berghausen kreativ (von links): Oliver Füllgraf, Sylvia Ferron, Susanne Füllgraf, Konni Ferron und Silvia Landsberg im Berghauser Idyll.

BRECKERFELD • Eines schon mal vorab: Es heißt nicht „in Berghausen“, sondern „auf Berghausen“. Sagen die alteingesessenen Berghaus... – und jetzt wird‘s ein wenig komplizierter. Denn die Frage, ob diejenigen, die auf Berghausen ihr Zuhause haben, nun Berghausener oder Berghauser sind, ist noch nicht abschließend geklärt. Das weiß nicht mal das uralte Nachbarschaftsbuch. Das ist im Besitz von Uli Ferron und protokolliert die Berghauser Nachbarschaftstreffen von 1741 bis 1944. Wer sich in den vergangenen Jahrhunderten auf Berghausen mal was hat zuschulden kommen lassen, hat schlechte Karten. Es ist für die Ewigkeit festgehalten, denn das Nachbarschaftsbuch wird gehütet wie ein Augapfel. Die Zeiten waren hart damals in den Anfängen.

 

nachbarschaftsbuch
300 Jahre Berghauser Geschichte sind im Berghauser Nachbarschaftsbuch detailliert festgehalten worden.

Die Nachbarschaftsstreitigkeiten wurden ausgiebig ausgelebt, aufgearbeitet und der Böse bestraft. Aber das Ganze hatte auch Vorteile: So wurden die Strafen in Form von Naturalien ausgesprochen. Und das konnte auch schon mal ein Fässchen Bier sein ...

 

Berghausen
Ein Dutzend Häuser mit 60 Menschen, die in ihnen leben: Das Berghauser Idyll scheint die Kreativität seiner Bewohnerinnen und Bewohner zu fördern.

Berghausen. Im Südosten Breckerfelds. Ländliches Idyll pur. Irgendwo zwischen Null und Nirgendwo, umgeben von herrlichen Wäldern und saftigen Wiesen. Landschaftsschutzgebiet. Viele Tiere leben auf Berghausen. Hunde, Schafe, Pferde, Rinder, Fledermäuse, Turmfalken, Wildschweine ... Es darf nicht gebaut werden und das ist auch gut so, finden die Berghauser. Trotzdem gibt es heute nur noch einen einzigen Milchviehbetrieb. Früher waren es mal derer sieben. Rund 60 Menschen leben in dem Dorf. Das macht 20 Familien. Junge, alte, ganz alte, so auch die älteste Bürgerin der Hansestadt. Die elf Häuser sind unterteilt in Oberdorf, Mitteldorf und Unterdorf. Aber selbst der Fußkranke schafft es locker vom Unter- hoch ins Oberdorf. Alles ist überschaubar. Nur nachts nicht. Denn dann ist Berghausen dunkel. Straßenlaternen gibt es hier draußen nicht.

Die 800 Meter Straße, die durch das Dorf führen – ja, das ist manchmal nicht so schön. Die Leute fahren durchaus schneller als Opa Ferron dereinst, der als einer der letzten Postkutschenfahrer die stolzen Rösser nach Breckerfeld lenkte. Viele Durchreisende sind eher Durchrasende. Deshalb gab es Ende der 70er Jahre sogar Überlegungen, den kleinen Ort mit einer Umgehungsstraße zu „schützen“. Letztlich wurde von der Idee jedoch Abstand genommen.

Viel hat sich verändert seit Opa Ferron damals, aber die Berghauser sind stets ein stolzes Bergvolk geblieben. So sind sie auch stolz darauf, dass der Zusammenhalt unter ihnen größer ist als zum Beispiel der im benachbarten Ehringhausen. In Berghausen kennen sich alle untereinander, feiern Dorffeste und helfen, wo beim Nachbarn Hilfe Not tut.

Die Berghauser Straße gehört zu Ehringhausen. Weil ein Berghauser, der an der Berghauser Straße lebte, lieber Berghauser sein wollte als Ehringhausener, wurde sogar eigens das Ortsschild versetzt.

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Berghausen ist – der Name sagt es ja schon – ein Bergdorf. Der Höhenmeter bewegt sich zwischen rund 390 Metern im Unterdorf und stolzen 420 im Oberdorf. Und damit ist Berghausen windanfällig. Eigentlich. Ulis Bruder Klaus Ferron: „Trotzdem hat uns der Kyrill nur ein paar Dachpfannen gekostet. Der Orkan kam halt aus einer für uns günstigen Richtung.“

Und sonst? Ja, da sind ja noch die 60 Berghauser. Polizisten, Industrieschlosser, Betriebsleiter, Elektriker, Renter und natürlich der bekannte und landesweit arbeitende Zimmerer Berthold Platner (siehe separaten Bericht).

 

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Profi am PC. Oliver Füllgraf brachte die Berghauser Nachbarschaft ins weltweite Datennetz.

Aber mehr noch. „Wir sind ein kreatives Dorf“, sagt Oliver Füllgraf, IT-Experte von Berghausen und Betreiber der Domain „www.breckerfeld-berghausen.de“. Er war es auch, der den kreativen Teil des Breckerfelder Stadtteils ins weltweite Datennetz stellte. Wie zum Beispiel die Sängerin und Komponistin Susanne Füllgraf, die so ganz nebenbei auch seine Ehefrau ist.

 

„Soundly Melody Suse“

stürmt die Internet-Charts

 

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Lebt ihre Leidenschaft Musik aus: Susanne Füllgraf. Die Berghauserin mit Künstlernamen „Soundly Melody Suse“ stürmt zurzeit die Internet-Radio-Charts.

Susanne Füllgrafs Lieblings-Internet-Radiosender ist zurzeit eindeutig „friendsworld-radio.de“. Dort steht ihr Instrumental-Titel „Globetrotter“ nämlich auf Platz 1 der Charts. In der Tat: „Soundly Melody Suse“, in Fan-Kreisen nur kurz SMS genannt, steht momentan hoch im Kurs. Die Berghauser Mutter, die ihr Hobby mit einem mobilen Studio in den eigenen vier Wänden nach Herzenslust auslebt, ist erfolgreich und trifft mit ihrer Musik offenbar den Geschmack der Internet-User.

Musik ist ihr Leben. „Musik mache ich schon immer. Ich wusste wahrscheinlich schon als Baby: Mein erster Schrei wird nicht mein letzter sein“, sagt sie und lacht. Blockflöte, klassische Orgel, Keyboard, viel Gesang. Von den „Rebspatzen“, dem Kinderchor, über die Band ohne Namen als Jugendliche, bei der sie als Leadsängerin erste Frontfrau-Erfahrung sammelte – immer spukten ihr bekannte und auch eigene, neue Melodien im Kopf herum.

Ebenso talentiert wie ehrgeizig, wie die gebürtige Elberfelderin war, nahm sie auch häufig an musikalischen Wettbewerben teil. Mit großem Erfolg. Sie räumte in den vergangenen Jahrzehnten so manchen Preis ab. Breit ist Soundly Melodys musikalisches Spektrum. Die Bandbreite ihres Schaffens reicht von Schlager bis Metal. Ihre Texte sind teils englisch und teils deutsch – je nach Thema und je nach Stimmung. Die aktuelle Pop-Ballade „Schützt die Kinder auf dieser Welt“ ist durchaus sozialkritisch. Und da alle verstehen sollen, was sie damit ausdrücken will, ist dieser Text natürlich auf deutsch. Und wie geht es weiter: Soundly Melody Suse ist offen für alles. Sollte ihr eine Plattenfirma in Angebot machen, würde sie garantiert nicht Nein sagen.

 

Die spinnen,

die Berghauser

 

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Die spinnen, die Berghauser: Silvia Landsberg und Tochter Saskia, die sie auch regelmäßig zu Märkten begleitet, tun es auf jeden Fall professionell.

Warum kommt einem so häufig Asterix in den Sinn, wenn man mit Berghausen und seinen Bewohnern zu tun hat? Sicherlich hat Berghausen von der Größe her ein wenig Ähnlichkeit mit dem kleinen gallischen Dorf fernab Lutetias. Und sicherlich haben die Berghauser ihren eigenen Kopf. Würde Breckerfeld besetzt werden, Berghausen wäre wohl die letzte freie Enklave. Aber auch der von Obelix häufig in Anspruch genommene Satz „Die spinnen, die Römer“ lässt sich ein Stück weit übertragen. Zumindest auf Silvia Landsberg aus dem Mitteldorf. Die spinnt nämlich wirklich. Und zwar alles. Auch Hundehaare. („Langhaarige Hunde sind besser als kurzhaarige!“) Und Katzenhaare. Das aber nur am Rande. Bevorzugt spinnt Silvia Landsberg Schafwolle, die sie anschließend natürlich auch verstrickt. Am Ende ihrer Bemühungen zieren wunderschöne Schmetterlinge oder Nikolausköpfe die Wohnzimmer ihrer Kunden. Mal ein Schaf oder Pilze als Nadelkissen. Dem Einfallsreichtum sind keine Grenzen gesetzt.

Silvia Landsberg spinnt seit ihrem neunten Lebensjahr. Und sie ist heute noch genauso begeistert von ihrem Hobby wie in der Anfangszeit. „Wer Handarbeit zu schätzen weiß und Handgestricktes mag, der ist bei mir genau richtig“, sagt sie. Ähnliches ist auch nachzulesen auf ihrer Internetseite „www.wollstrang.de“.

Mit ihrem Gesponnenen und Verstrickten im Gepäck startet Silvia Landsberg von Berghausen auf die Märkte der Region, wo sie sich bereits einen Namen gemacht hat. Dies nicht zuletzt, weil sie für die Oberbekleidung naturfarbene Merino-Schafwolle (weiß, grau und braun, aber auch gefärbte wie schwarz oder bunte pflanzengefärbte Wolle) verwendet.

Ausnahmen gibt es überall, also auch bei der Berghauser Spinnerei. Zum Beispiel die Socken. Diese werden aus Eiderwolle, Coburger Fuchs- oder Holländischer Merinowolle gestrickt, da diese Sorten sich aufgrund längerer Haltbarkeit besser eignen.

 

Der Trick mit

dem Zipfelschick

 

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Konni Ferron setzte mit ihrem Zipfelschick-Lagenlook einen neuen Modetrend.

Rom. Mailand. New York. Paris. Berghausen Unterdorf. Modemetropolen der Welt. Erstgenannte sind bekannt und berühmt gleichermaßen. Berghausen, ja Berghausen ist nur bedeutend als Zentrum für den Zipfelschick-Look. „Zipfelschick“, sagt die Berghauser Modedesignerin Konni Ferron, „ist außergewöhnliche und ausgefallene Mode außerhalb der Norm für „Klein bis Big“. Mode für Frauen und Kinder.

Konni Ferron entwirft und fertigt ihre Modelle individuell in ihrem kleinen Atelier von Hand. Dementsprechend verlassen nur Unikate das Berghauser Atelier. Entweder, nachdem im Internet unter „www.zipfelschick.de“ bestellt wurde, auf dem Postweg oder im Auto auf dem Weg zum nächsten Markt, wo vielleicht die ideale Trägerin wartet.

„Zipfelschick-Mode ist Lagen-Look mit Zipfeln dran“, erläutert Konni Ferron und lacht. „Manche sagen auch, das sind Schlabbersachen. Aber das ist nicht böse oder abwertend gemeint.“ Deshalb ist diese Mode auch besonders für etwas beleibtere Trägerinnen interessant. Verwendet werden dafür Materialien wie Wolle, Baumwolle oder Leinen. Und was sie als Kauffrau besonders freut: „Meine Mode hat immer Konjunktur, denn sie ist zu allen vier Jahreszeiten gut tragbar.

 

Die Sache mit

den wärmenden Kissen

 

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Es lebe das Körnerkissen: Sylvia und Uli Ferron in der Berghauser Körnerkissen-Werkstatt. Viele Kilogramm Getreide sind für ein einziges Kissen nötig.

Sylvia Ferron ist eine selbstbewusste Frau. Deshalb sagt sie auch mit Überzeugung in der Stimme: „Jeder braucht ein Körnerkissen!“ Und Körnerkissen sind für vieles gut. Im Winter für warme Füße oder gegen Nackenschmerzen. Die Berghauser „Körnerkissenfabrik“ wirkt dank der Domain „www.koernerkissen-breckerfeld.de“ bundesweit, wenngleich Events wie der Breckerfelder Bauernmarkt selbstverständlich nach wie vor im Terminkalender stehen.

„Körnerkissen vermitteln ein wunderbares Gefühl, weil sie nicht nur wärmen, sondern auch duften“, sagt die Körnerkissentante aus Berghausen, wie sie sich selber bezeichnet. „Wir haben unseren Körnerkissen ein besonderes Design mitgegeben, weil so etwas wunderbar Heilsames auch gut aussehen sollte.“ Alle Körnerkissen werden liebevoll von Hand genäht und jedes Modell bekommt einen eigenen Namen.

Zur Füllung nimmt Sylvia Ferron gereinigte Weizenkörner vom Hof ihres Mannes Uli, der schon so manch schweren Sack zur Füllung hoch ins Haus schleppen musste.Körnerkissen gibt es in zahlreichen Größen und Formen. Die Bandbreite reicht vom kleinen Kinderkörnerkissen über das Nackenkissen bis hin zum Fußwärmer oder zum nach Lavendel duftenden Deko-Kissen.

 

 

Druck aus Lüdenscheid

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